CO₂-Fußabdruck: Pflanzenmilch vs. Kuhmilch
Martin Sundberg | | 5 Minuten
Pflanzenmilch ist besser für die Umwelt als Kuhmilch. Das hört man oft, aber wie groß ist der Unterschied eigentlich? Und macht es einen Unterschied, welche Pflanzenmilch du wählst?
Kurze Antwort: Der Unterschied ist erheblich. Lange Antwort: Es hängt davon ab, worauf du schaust. CO₂-Ausstoß ist nicht alles.
Die Zahlen
Die bekannteste Studie zu diesem Thema ist von Poore und Nemecek, veröffentlicht in Science im Jahr 2018. Sie analysierten die Umweltauswirkungen von Tausenden von Lebensmittelproduzenten weltweit und schauten sich drei Dinge an: CO₂-Ausstoß, Landnutzung und Wasserverbrauch.
| Milchsorte | CO₂ (kg/Liter) | Land (m²/Liter) | Wasser (Liter) |
|---|---|---|---|
| Kuhmilch | 3,2 | 9,0 | 628 |
| Hafermilch | 0,9 | 0,8 | 48 |
| Sojamilch | 1,0 | 0,7 | 28 |
| Mandelmilch | 0,7 | 0,5 | 371 |
| Reismilch | 1,2 | 0,3 | 270 |
Quelle: Poore & Nemecek (2018), Science
Was fällt auf?
Die Unterschiede zwischen den Milchsorten sind größer, als du vielleicht erwartest.
- Kuhmilch schneidet auf allen Fronten am schlechtesten ab. Die 3,2 kg CO₂ pro Liter kommen von zwei großen Quellen: den Kühen selbst (die Methan ausstoßen) und der Produktion von Futter. Beides ist etwa gleich wichtig. Die hohe Landnutzung ist für Weiden und Futterpflanzen. Und der Wasserverbrauch? Kühe trinken viel, und die Pflanzen für ihr Futter brauchen Bewässerung.
- Hafermilch ist der Allrounder. Niedriger CO₂-Ausstoß, wenig Landnutzung und mit Abstand am wenigsten Wasser. Hafer wächst gut in gemäßigten Klimazonen und braucht kaum Bewässerung. Das macht Hafermilch zur nachhaltigsten Wahl, wenn du das Gesamtbild betrachtest.
- Mandelmilch hat ein Wasserproblem. In Bezug auf CO₂ und Landnutzung schneidet sie gut ab, aber der Wasser-Fußabdruck ist hoch: 371 Liter pro Liter Milch. Mandeln werden hauptsächlich in Kalifornien angebaut, wo Wasser knapp ist. Jede Mandel kostet durchschnittlich 12 Liter Wasser. In Gebieten mit Wasserknappheit ist das problematisch.
- Sojamilch schneidet rundum gut ab. Einschränkung: Achte auf die Herkunft. Soja aus Südamerika ist oft mit Abholzung des Amazonas-Regenwaldes verbunden. Lokal angebautes Soja ist nachhaltiger.
Der Unterschied in Perspektive
Kuhmilch: 3,2 kg CO₂ pro Liter. Hafermilch: 0,9 kg. Das ist ein Faktor 3,5. Klingt abstrakt, aber mal ein kleines Rechenbeispiel:
Angenommen, du trinkst 3 Liter Milch pro Woche. Das sind 156 Liter pro Jahr. Mit Kuhmilch sind das 499 kg CO₂. Mit Hafermilch sind das 140 kg CO₂. Der Unterschied: 359 kg CO₂ pro Jahr, pro Person, nur durch den Wechsel der Milchsorte.
Zum Vergleich: Ein Kurzstreckenflug von 1000–1500 km stößt etwa 200–300 kg CO₂ pro Passagier aus. Die Umstellung von Kuhmilch auf Hafermilch spart pro Jahr mehr als einen solchen Flug.
Ein Punkt, der oft vergessen wird: die Kartonverpackungen. Die haben auch eine Umweltauswirkung. Aber im Vergleich zur Produktion der Milch selbst ist die relativ klein: Schätzungen variieren, aber es geht um einen Bruchteil des Gesamt-Fußabdrucks.
Möchtest du die Verpackungsauswirkung weiter verkleinern? Dann ist Selbermachen eine Option.
Selbermachen: Noch nachhaltiger
Wenn du Pflanzenmilch selbst machst, eliminierst du die Verpackung und den Transport. Du kaufst Haferflocken in großen Mengen oder in einer Papiertüte, fügst Wasser aus dem Hahn hinzu, und fertig.
Der CO₂-Fußabdruck von selbstgemachter Hafermilch ist noch niedriger als die 0,9 kg aus der Tabelle, weil diese Zahlen auf kommerzieller Produktion basieren, inklusive Fabrik und Distribution.
Eine Milchmaschine wie Mylky verbraucht pro Liter Milch wenig Strom: Der Prozess dauert nur eine Minute. Der Umweltgewinn liegt vor allem in dem, was du nicht tust: keine Kartons kaufen, keine Lastwagen, die liefern, keine Verpackungen, die recycelt werden müssen.
Dennoch etwas Nuance
Ein paar Anmerkungen zu diesen Zahlen.
- Es sind Durchschnittswerte. Ein Bio-Bauer, der seine Kühe auf der Weide lässt, hat einen anderen Fußabdruck als ein Megastall. Das Gleiche gilt für Pflanzenmilch: Lokal angebauter Hafer ist nachhaltiger als importierte Mandeln aus Kalifornien.
- Nährwert zählt auch. Kuhmilch enthält mehr Protein als die meisten pflanzlichen Alternativen. Wenn du das kompensierst, indem du mehr isst oder Nahrungsergänzungsmittel nimmst, ändert sich die Rechnung etwas. Aber selbst dann bleibt Pflanzenmilch nachhaltiger.
- Nicht alles dreht sich um CO₂. Biodiversität, Bodengesundheit, Tierwohl: auch Faktoren, die zählen. Die sind schwerer zu quantifizieren, aber nicht weniger relevant. Die Milchviehhaltung hat auf all diese Punkte mehr Auswirkungen als pflanzliche Alternativen.
Die Schlussfolgerung
Wenn du rein auf Umweltauswirkungen schaust, ist Pflanzenmilch fast immer besser als Kuhmilch. Hafermilch ist die nachhaltigste Wahl, besonders wenn du auch den Wasserverbrauch berücksichtigst. Mandelmilch schneidet schlechter ab wegen des Wasserverbrauchs.
Selbermachen ist noch einen Schritt nachhaltiger: keine Verpackung, kein Transport. Plus: Du weißt genau, was drin ist.
Martin Sundberg
Was in Martin Sundbergs Küche mit einem Mixer und ein paar Nüssen angefangen hat, wurde zu Mylky – seine Art, pflanzliche Milch wieder spannend, lecker und bewusst zu machen.